Aktuelle Leitlinie: Vorgehen bei Schilddrüsenknoten in der Hausarztpraxis

Wenn man nur genau genug sucht, kann man bei jedem 2. bis 3. Erwachsenen einen Knoten in seiner Schilddrüse feststellen. Die meisten sind harmlos und bereiten lebenslang keine Probleme. Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin wurden aktuelle Leitlinien zum Umgang mit Schilddrüsenknoten in der hausärztlichen Versorgung erstellt. Von einem interdisziplinären Kompetenzteam wurden unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse insgesamt 68 Empfehlungen zur Vorbeugung, Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenknoten erarbeitet. Der allgemeine Tenor kann unter dem Motto „weniger ist mehr“ zusammengefasst werden. Die wichtigsten Empfehlungen sind:  Zukünftig sollte auf eine generelle Knotensuche („Bevölkerungsscreening“) durch Abtasten und Ultraschall des Halses verzichtet werden. Bei Auffinden eines symptomatischen Schilddrüsenknotens sollte im Blut initial ausschließlich der TSH-Wert bestimmt werden. Liegt der TSH-Wert im altersspezifischen Normbereich, sollten keine weiteren Laborbestimmungen von Funktionsparametern (z. B. fT3, fT4, Thyreoperoxidase-Antikörper, Thyreoglobulin oder Thyreoglobulin-Antikörper) erfolgen. Eine Schilddrüsenultraschalluntersuchung sollte nur bei Verdacht auf ein Schilddrüsenkarzinom oder einen symptomverursachenden Schilddrüsenknoten durchgeführt werden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auf grundlose Schilddrüsen-Check-ups zukünftig verzichtet werden sollte. Eine Überweisung zur Szintigrafie sollte nur bei laborchemischem oder klinischem Verdacht auf eine Autonomie (unregulierte Überproduktion von Schilddrüsenhormonen, erniedrigter TSH-Wert im Blut) oder bei hohem Krebsverdacht vor einer geplanten Feinnadelpunktion zum Ausschluss einer fokalen Autonomie erfolgen. Bei Krebsverdacht wäre die weitere Abklärung durch eine Feinnadelpunktion ratsam. Bei klinisch und sonografisch unauffälligen Schilddrüsenknoten (keine Beschwerden, kein Krebsverdacht, kein Schilddrüsenkrebs in der Familie, keine radioaktive Bestrahlung in der Kindheit) sollten keine weiteren Untersuchungen und keine routinemäßigen Kontrollen veranlasst werden. Eine medikamentöse Therapie von Schilddrüsenknoten mit L-Thyroxin, Jodid oder komplementärmedizinischen Maßnahmen mit natürlichen Wirkstoffen sei nicht sinnvoll und sollte unterlassen werden. Bei Verdacht auf Bösartigkeit, lokalen durch den Schilddrüsenknoten ausgelösten Beschwerden sowie zur definitiven Therapie eines autonomen Adenoms sollten die Patienten an Fachspezialisten zur weiteren Therapie durch Radiojodtherapie, Operation oder lokal-ablativen Verfahren wie z. B. Thermoablation überwiesen werden.

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