Menu

Pioniere der Schilddrüsenmedizin

Emil Theodor Kocher – Schilddrüsenchirurgie

Der Schweizer Chirurg und langjährige Chefarzt der Berner Universitätsklinik gilt als der eigentliche Begründer der modernen Schilddrüsenchirurgie. Vor seiner Zeit gab es zwar immer mal vereinzelte Mitteilungen über gelungene Schilddrüsenoperationen am Menschen, doch erst Prof. Kocher glückte eine größere Anzahl an erfolgreichen Schilddrüsenoperationen, wobei die vormals sehr hohe Operationssterblichkeit von über 10% auf unter 1% gesenkt werden konnte. Voraussetzungen waren seine Studien zur Anatomie, zur Blutstillung, zur Hygiene und zur Operationstechnik. So gehen auch die heute noch gebräuchliche Schnittführung für eine Schilddrüsenoperation (Kocher` scher Kragenschnitt) sowie die immer noch verwendeten speziellen OP-Klemmen zum Fassen der Schilddrüse (Kocher-Klemmen) auf Kocher zurück.
Für seine Forschung und in Würdigung seiner Verdienste um die Schilddrüsenchirurgie erhielt Theodor Kocher als erster und einziger Chirurg im Jahre 1909 den Nobelpreis für Medizin. Damals strebte man zur dauerhaften Heilung der großen Kropfgeschwulst nach Möglichkeit eine weitgehende oder komplette Entfernung der Schilddrüse an. Man wusste allerdings noch nicht, dass in der Schilddrüse das lebenswichtige Schilddrüsenhormon produziert wird. Kocher fiel bei Nachuntersuchungen seiner Patienten auf, dass es nach der kompletten Entfernung einer Kropfgeschwulst zwar zur gewünschten Besserung der lokalen Probleme am Hals kam, aber durch die Folgen der damals noch nicht bekannten Schilddrüsenunterfunktion auch zu schweren Krankheitsbildern, die von ihm den Namen „kachexia strumapriva“ erhielten und die durch Antriebsmangel, geistige Retardierung und allgemeinen körperlich-seelischen Verfall gekennzeichnet waren. Kocher schloss daraus, dass die Schilddrüse offensichtlich auch noch eine andere Funktion und einen bislang noch nicht bekannten Einfluss auf verschiedene körperliche und seelische Funktionen haben musste, was wiederum der Startschuss für eine weitere Forschungsaktivität zur Aufklärung hormoneller Regelkreise war. Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis der Amerikaner Edward Kendall um 1914 erstmals in der Schilddrüse das Schilddrüsenhormon Thyroxin entdeckte.

Edward Calvin Kendall – Entdeckung des Thyroxins

Der Amerikaner Edward Kendall gilt als der Entdecker des Schilddrüsenhormons Thyroxin. Edward Kendal studierte in New York Chemie und forschte anschließend an verschiedenen renommierten amerikanischen Universitäten (z.B. Mayo Clinic). Kendall entdeckte zahlreiche Enzyme, Aminosäuren und Hormone. Ihm gelang es als erstem, in den Jahren 1914/15 aus operativ entfernten Schilddrüsenpräparaten eine Substanz zu gewinnen, die bei der Behandlung von Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) eine positive Wirkung auf die Symptome und den Verlauf zeigte. Daraus folgerte er, dass es sich dabei um einen Botenstoff der Schilddrüse handeln müsse und nannte dieses Hormon Thyroxin. Damals konnte Thyroxin nur aus menschlichem oder tierischem Schilddrüsengewebe gewonnen werden. So brauchte man z.B. für die Gewinnung von gerade mal 33 Gramm Schilddrüsenhormon etwa 3 Tonnen Schilddrüsengewebe von Schweinen. 1950 erhielt Kendall, der auch das wichtige Hormon Cortison entdeckte, den Nobelpreis für Medizin.

Charles Robert Harington – Thyroxin-Synthese

Charles Robert Harington war ein britischer Chemiker und Biochemiker. 1924 hatte Edward Calvin Kendall Schilddrüsenhormon aus Schilddrüsengewebe isoliert und seine Wirkeigenschaften beschrieben. Allerdings brauchte man damals für die Herstellung selbst kleinster Mengen von Thyroxin Unmengen von menschlichem oder tierischem Schilddrüsengewebe. Harington gelang die genaue Aufklärung der molekularen Strukturen des Thyroxins und darauf aufbauend auch erstmalig die synthetische Herstellung von Thyroxin im Jahr 1926. Das war die Voraussetzung für eine breitere medizinisch-therapeutische Nutzung der Schilddrüsenhormone. Mittlerweile gehören synthetische Schilddrüsenhormone zu den am meisten verschriebenen Medikamenten überhaupt.

AUTOR: Prof. Dr. med. Hans Udo Zieren