Startseite Aktuelles Presseartikel: Interview mit Prof. Zieren „Zu welchen Ärzten mit der Schilddrüse?“
Erster Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung ist in der Regel der Hausarzt. Was kann der Hausarzt leisten und was nicht?
Prof. Zieren: Der Hausarzt kann alle wichtigen Basisuntersuchungen leisten. Das sind Anamnese, klinischer Befund, Ultraschalluntersuchung des Halses und die Bestimmung der Schilddrüsenwerte im Blut. Damit können die meisten Schilddrüsenerkrankungen ausreichend diagnostiziert und bei Bedarf auch eine zielgerichtete Behandlung eingeleitet werden.
Wann ist der Bedarf gegeben, weitere Spezialisten einzubeziehen?
Prof. Zieren: Das kommt auf den Einzelfall und auch auf die spezielle Kompetenz des einzelnen Hausarztes an. Ist sich dieser z.B. bei der Einschätzung des Krebsrisikos von sonografisch entdeckten Knoten nicht ausreichend sicher, ist zur weiteren Abklärung als Nächstes die Einbeziehung von Spezialisten aus der Nuklearmedizin oder der Endokrinologie sinnvoll. Für eine evtl. Radiojodtherapie werden zusätzlich spezialisierte Nuklearmediziner und für eine erforderliche Operation Chirurgen oder HNO-Ärzte benötigt.
Die richtige Behandlung der Schilddrüse variiert von Patient zu Patient und es ist wichtig, die individuell passende Therapie zu finden. Inwiefern können verschiedene Ärzte hierbei ihren Teil leisten und produktiv zusammenarbeiten?
Prof. Zieren: Da Schilddrüsenerkrankungen und deren Folgen eine Vielzahl von körperlichen, geistigen und seelischen Symptomen verursachen können, kann im Einzelfall die Expertise aller möglichen Fachrichtungen erforderlich werden. Natürlich ist es hilfreich, wenn die beteiligten Ärzte abgestimmt und effektiv arbeiten. Das kann z.B. in Form eines interdisziplinären Schilddrüsenzentrums mit den Kerndisziplinen Nuklearmedizin, Endokrinologie, HNO und Schilddrüsenchirurgie geschehen.
Gibt es Herausforderungen bei solch einer Zusammenarbeit? Wenn ja, welche und wie können diese überwunden werden? Auf was muss besonders geachtet werden?
Prof. Zieren: Die größten Herausforderungen sind die limitierten Ressourcen der Ärzte, der ständig zunehmende wirtschaftliche Druck und nicht zuletzt auch das Anspruchsdenken mancher Patienten. Bei der sehr großen Anzahl sonografisch feststellbarer Schilddrüsenknoten und der erheblichen Diskrepanz zwischen den sehr vielen harmlosen und den vergleichsweise seltenen behandlungsbedürftigen Befunden ist es wichtig, die vorhandenen Kapazitäten effektiv zu nutzen. Nur ein kleiner Teil der Patienten braucht tatsächlich ein interdisziplinäres Schilddrüsenzentrum.
Inwiefern könnten KI oder Schilddrüsen-Apps in Zukunft ein nützliches Werkzeug darstellen?
Prof. Zieren: Das bleibt abzuwarten. Mittlerweile gibt es auch für die Schilddrüse KI-unterstütze Apps. Sie können gute Dienste leisten und werden sicher auf Dauer immer besser werden, sollten aber niemals einen Arzt komplett ersetzen.
Generell, was für neue Diagnose- und Behandlungs-Tools stehen in Aussicht, welche die Art der Zusammenarbeit in Zukunft eventuell beeinflussen?
Prof. Zieren: Zunächst einmal ist es hilfreich, dass der Informationstransfer zwischen allen Beteiligten immer einfacher und schneller wird. Elektronische Patientenakten, standardisierte Dokumentationssoftware, jederzeit abrufbare medizinische Leitlinien und die Weiterentwicklung KI-basierter Apps auch für Ärzte werden die Zusammenarbeit der Zukunft prägen und hoffentlich verbessern.
Quelle: Hausärztin 9:38
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