Alternative Therapien und Naturheilkunde bei Schilddrüsenerkrankungen

Neben den verschiedenen schulmedizinischen Behandlungsverfahren gibt es für die Schilddrüse auch sogenannte komplementäre und alternative Therapieansätze. Als komplementärmedizinisch werden nicht schulmedizinische Methoden bezeichnet, die zusätzlich und als Ergänzung zur schulmedizinischen Therapie eingesetzt werden, bei alternativmedizinischen Therapien wird komplett auf schulmedizinische Behandlungen verzichtet. Das Spektrum angebotener Methoden ist groß und umfasst unter anderem Ernährungsaspekte, Mikronährstoffe, Pflanzenheilkunde, Naturheilverfahren, Homöopathie bis hin zu psycho-sozialen Methoden der Lebensstilmodifikation und des Stress-Managements. Einige Behandlungsansätze haben eine wissenschaftliche Basis, andere basieren auf Annahmen und Überlieferungen. Mangels aussagekräftiger Langzeitstudien ist eine nachhaltige Wirksamkeit dieser Therapien wissenschaftlich nicht gesichert. Es gibt allerdings Berichte von Betroffenen, die durch eine oder mehrere dieser Therapien eine Verbesserung ihres Zustandes und eine Linderung ihrer Beschwerden beschreiben.

Die am häufigsten bei der Schilddrüse angewandten Therapieansätze sind:

Optimales Rohstoffangebot

Schilddrüsenhormone sind komplexe Eiweißmoleküle mit einem unterschiedlichen Jodanteil. Voraussetzung für eine auskömmliche Hormonproduktion ist eine ausreichende Bereitstellung benötigter Rohstoffe, sowohl für die Hormone als auch für den Produktionsprozess. Ganz wichtig ist eine gute Jodversorgung, denn ohne Jod gibt es kein Schilddrüsenhormon (vgl. Jod, Selen, Vitamine und Ernährung für die Schilddrüse). Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass selbst in einem Land wie Deutschland mit einem Überangebot an Ernährungsprodukten etwa ein Drittel der Bevölkerung nicht ausreichend mit wichtigen Rohstoffen für die Schilddrüse wie Jod, Selen oder Vitamin D3 versorgt ist. Ein Mangel an solchen Bausteinen schwächt nicht nur die Hormonproduktion, sondern erhöht gleichzeitig auch das Risiko für das Auftreten bestimmter Schilddrüsenerkrankungen wie Struma, Knotenkropf oder Hashimoto-Thyreoiditis. Insofern ist eine gute Versorgung mit den benötigten Rohstoffen eine wichtige Voraussetzung für eine gesunde Schilddrüse, und das sowohl im Hinblick auf die Vorbeugung als auch als Unterstützung bei bereits eingetretener Schilddrüsenerkrankung. Gelingt dies nicht über eine ausgewogene und gesunde Ernährung, gibt es speziell für die Schilddrüse zusammengestellte Nahrungsergänzungsmittel.

Förderung der Rohstoffaufnahme aus dem Verdauungstrakt

Ein gesunder und gut funktionierender Magen-Darm-Trakt ist eine elementare Voraussetzung dafür, dass wichtige Substanzen für die Schilddrüse aus dem Verdauungstrakt in den Körper aufgenommen und zur Schilddrüse transportiert werden können. Umgekehrt hat auch die Schilddrüsenfunktion eine große Auswirkung auf den Verdauungstrakt. So treten bei einer Schilddrüsenüberfunktion vermehrt Durchfälle und bei einer Unterfunktion Verstopfungen mit einer Beschleunigung bzw. Verzögerung der Nahrungspassage auf, was wiederum einen Einfluss auf die Qualität und Quantität der Rohstoffaufnahme hat. Zudem leiden Patienten mit einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse wie Hashimoto oder Morbus Basedow häufig auch gleichzeitig an Autoimmunerkrankungen des Verdauungstraktes wie Glutenunverträglichkeit, atrophische Gastritis, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, wodurch die Darmfunktion beeinträchtigt wird. Außerdem besteht bei etwa jedem 3. Patienten mit einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse eine bakterielle Fehlbesiedelung seines Dünndarms (SIBO = Small Intestine Bacterial Overgrowth), was nicht nur Bauchbeschwerden verursacht, sondern auch die Aufnahme benötigter Rohstoffe stört, wobei bislang nicht klar ist, ob solche Störungen nur Folge oder sogar (Teil-)Ursache autoimmuner Schilddrüsenerkrankungen sind. Deshalb ist eine gute Darmgesundheit wichtig für die Schilddrüse und umgekehrt auch eine gute Schilddrüsenfunktion wichtig für den Darm. Zur Optimierung der Darmfunktion und zur Stärkung des Immunsystems gibt es z.B. auch bei Schilddrüsenerkrankungen eingesetzte probiotische Behandlungsmethoden.

Unterstützung der Umwandlung von T4 in T3

Die Schilddrüse produziert die Hormone Thyroxin (T4 = 4 Jodatome) und Trijodthyronin (T3 = 3 Jodatome) in einem Verhältnis von etwa 9:1. Durch Abspaltung eines Jodatoms kann im Körper aus dem langlebigeren T4 das kürzer, aber dafür etwa 5 bis 6-mal stärker wirksamere T3 generiert werden.  Dieser Prozess wird als T4-Dejodierung, T4-Konversion oder T4-Umwandlung bezeichnet. Dieser Vorgang läuft unter Beteiligung verschiedener Enzyme vor allem in der Leber ab. Wenn die Umwandlung nicht richtig funktioniert, können Menschen trotz an sich guter Thyroxinwerte im Blut an möglichen Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion wie vermehrte Müdigkeit, depressive Verstimmungen oder Gewichtszunahme leiden (Umwandlungsstörung). Um den Prozess der Umwandlung an verschiedenen Stellen zu unterstützen, gibt es spezielle Nahrungsergänzungsmittel. Die meisten enthalten einige für die T4-Umwandlung wichtige Substanzen wie z.B. Glutathion, Selen, Aminosäuren und andere zum Teil auch naturheilkundliche Substanzen.

Stärkung der Mitochondrien

Schilddrüsenhormone stimulieren die Energiegewinnung auf zellulärer Ebene. Das geschieht in den Mitochondrien, in denen energiereiche Moleküle zur Aufrechterhaltung diverser Zellfunktionen produziert werden. Für die Aufrechterhaltung der jeweiligen Zellfunktionen ist ein gutes Zusammenspiel zwischen Schilddrüsenhormonen und Mitochondrien erforderlich. Funktionieren die kleinen Mitochondrien, die auch als Kraftwerke der Zellen bezeichnet werden, nicht gut, können auch Schilddrüsenhormone nichts bewirken und es kann trotz guter Blutspiegel der Schilddrüsenhormone zu Symptomen zu einer Unterfunktion wie Abgeschlagenheit, depressiver Verstimmung oder Gewichtszunahme kommen. Die genauen Mechanismen ebenso wie mögliche Therapieansätze sind derzeit noch nicht ausreichend wissenschaftlich geklärt. Es gibt verschiedene ganzheitliche naturheilkundliche Ansätze zur Stärkung der Mitochondrienfunktion, die auch bei Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt werden. 

Entzündungshemmung

Verschiedene Substanzen können dem Körper beim Kampf gegen Autoimmunerkrankungen und chronische Entzündungen helfen. Dabei handelt es sich z.B. um sogenannte Anti-Oxidantien, zu denen Mineralstoffe wie Selen, Zink, Eisen, die Vitamine B, C, E sowie Pflanzenstoffe wie Flavonoide, Carotinoide und Resveratrol gehören. In diesem Zusammenhang haben einige Beobachtungsstudien bei der Hashimoto-Thyreoiditis gezeigt, dass z.B. die regelmäßige Einnahme von Selen oder eine gesunde Ernährung mit vielen Anti-Oxidantien zu einer nachweislichen Abnahme der krankheitsspezifischen Antikörper als Ausdruck der entzündlichen Aktivität führt. Inwieweit dies tatsächlich den Langzeitverlauf relevant beeinflusst, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Anti-Oxidantien sind in vielen natürlichen Lebensmitteln enthalten, werden aber auch als Konzentrate in pharmakologischen Produkten angeboten.

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