Schilddrüse und Stoffwechsel

Schilddrüsenhormone beeinflussen vor allem den Stoffwechsel

  • der Kohlenhydrate
  • des Fettes
  • des Eiweißes
  • der Knochen
  • des Nervensystems

Kohlenhydratstoffwechsel

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führt zu einer verstärkten Aufnahme von Glucose (Zucker) aus dem Darm, zu einer vermehrten Freisetzung von Zucker aus der Leber und dadurch zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels mit der Folge einer vermehrten Insulin-Ausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse. Durch die erhöhten Insulinspiegel bei gleichzeitig reduzierter Glukoseaufnahme in Muskeln und Leber kann es bei prädisponierenden Faktoren zu einem Erstauftreten eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und bei Patienten mit einem bekannten Diabetes zu einer Verschlechterung ihrer Stoffwechsellage kommen.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist die Glukoseaufnahme in den Darm und viele andere Organe vermindert. Das führt in Verbindung mit einer Insulinresistenz zu hohen Insulinspiegeln und bei gleichzeitig reduziertem Appetit zur Gefahr einer Unterzuckerung (Hypoglykämie).

Weitere Informationen zum Thema Schilddrüse und Diabetes finden Sie im Artikel mit dem Experteninterview mit Prof. Zieren

Fettstoffwechsel

Schilddrüsenhormone führen zu einer Steigerung der Fettmobilisierung und zu einem Abbau von Speicherfetten. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommt es zu einer Abnahme der Cholesterinwerte im Blut, bei einer Schilddrüsenunterfunktion zu einem Anstieg der Cholesterinwerte und damit zur erhöhten Gefahr für eine Gefäßverkalkung und zu kardiovaskulären Risiken (Weitere Informationen zu Schilddrüse und Herz).

Bei einer schweren Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommt es durch den gesteigerten Energieverbrauch häufig zu einem Gewichtsverlust; ein Effekt der prinzipiell auch zur gewünschten Gewichtsabnahme genutzt werden kann, in dem z.B. in illegalen Pillen zur Gewichtsabnahme auch synthetisches Schilddrüsenhormon enthalten ist und damit eine künstliche Schilddrüsenüberfunktion herbeigeführt wird. Wegen der damit einhergehenden Risiken seitens des Herz-Kreislauf- oder Nervensystems ist von einer Gewichtsreduktion mit Hilfe von Schilddrüsenhormonen allerdings strikt abzuraten.

Knochenstoffwechsel

Schilddrüsenhormone bewirken eine Steigerung des Knochenumsatzes. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion kann sich das sowohl in einem gesteigerten Knochenaufbau, als auch einem gesteigerten Knochenabbau zeigen. Bei einem Überwiegen des Knochenabbaus kann dies bei einer Hyperthyreose zu einem Verlust an Knochenmasse und zu einer Osteoporose führen.

Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen durch eine Hypothyreose kann sich besonders fatal am wachsenden Skelett auswirken und zu einer verzögerten Skelettreifung und zu Minderwuchs führen.

Nervensystem, Muskulatur

Schilddrüsenhormone beeinflussen auch den Stoffwechsel der Gehirn-, Nerven- und Muskelzellen. Bei einer Hyperthyreose kommt es zu einer gesteigerten Hirnaktivität, nervalen Erregbarkeit und Muskelkraft, bei einer Hypothyreose ist das Gegenteil der Fall.

Weitere Informationen zum Thema Schilddrüse und Psyche

Schilddrüse und Psyche
• im Fachaufsatz von Prof. Zieren „Hypothyreose und psychische Erkrankungen

AUTOR: Prof. Dr.med. Hans Udo Zieren