Aktuelle Studie: Weniger Ultraschall bei nicht tastbaren Schilddrüsenknoten?

Das papilläre Karzinom ist der häufigste Krebstyp der Schilddrüse. Es ist im Allgemeinen weniger aggressiv als andere Karzinome und hat meist eine sehr gute Prognose. Durch die zunehmende Verbreitung des Ultraschalls werden in den letzten Jahrzehnten immer häufiger papilläre Schilddrüsenkarzinome diagnostiziert. Viele davon bereiten allerdings niemals Probleme. So zeigen Obduktionsstudien, dass etwa 10% aller Verstorbenen ein zu Lebzeiten unerkanntes papilläres Schilddrüsenkarzinom gehabt haben. US-amerikanische Wissenschaftler untersuchten, welchen Einfluss Ultraschalluntersuchungen auf die Diagnosehäufigkeit und die Sterblichkeit des papillären Schilddrüsenkarzinoms haben. In einem aufwendigen mathematischen Simulationsmodell unter Verwendung der Daten des Nationalen Krebsinstitutes der USA der Jahre 1991 – 2019 ermittelten sie, dass Ultraschalluntersuchungen, die bei nicht tastbaren Schilddrüsenknoten durchgeführt wurden, und durch die dann im weiteren Verlauf ein papilläres Schilddrüsenkarzinom diagnostiziert wurde, bei mindestens 72% bis zu 94% dieser Patienten zu keinem Überlebensvorteil führten, dafür aber in der Regel weitere Behandlungen mit möglichen Komplikationen und Beeinträchtigungen der Lebensqualität nach sich zogen. Die Autoren folgern, dass durch eine Reduzierung der Ultraschalluntersuchungen bei nicht tastbaren Schilddrüsenknoten unnötige weitere Untersuchungen und Behandlungen auch ohne eine Zunahme der krebsbedingten Sterblichkeit an papillärem Schilddrüsenkrebs vermieden werden könnten.

Quelle: Francis DO, Davies L,  Zhang, Y et al (2026): Overdiagnosis of Papillary Thyroid Cancer. JAMA Netw Open, 2026; 9; (2):e2559852. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.59852

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