Startseite Aktuelles Fachartikel: Thyreostatika und schwere Hautreaktionen
Thyreostatika sind Medikamente, die die Bildung oder Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen hemmen. Carbimazol und Thiamazol werden zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) eingesetzt, Natriumperchlorat vor allem zur Verhinderung einer manifesten Schilddrüsenüberfunktion bei gefährdeten Patienten mit einer schlafenden Überfunktion vor Gabe jodhaltiger Kontrastmittel bei Röntgenuntersuchungen. Das waren im Jahr 2022 deutschlandweit 21,6 Millionen Tagesdosen Thiamazol, 12,6 Millionen Tagesdosen Carbimazol und 1,3 Millionen Tagesdosen Perchlorat. Zu den schweren arzneimittelinduzierten Hautreaktionen gehört die toxische epidermale Nekrolyse, bei der es zu einer schweren und potenziell lebensbedrohlichen Infektion mit Absterben der oberen Hautschichten kommt. Auslöser können sehr unterschiedliche Medikamente wie z.B. Antibiotika sein. Das Dokumentationszentrum für schwere Hautreaktionen sammelt und analysiert deutschlandweit alle derartigen Fälle. Es weist im Deutschen Ärzteblatt darauf hin, dass auch Carbimazol/Thiamazol und Natriumperchlorat bei der künftigen Ursachenabklärung von schweren Hautreaktionen als „verdächtig“ oder „unter Beobachtung stehend“ eingestuft werden sollten. Da es nach einer Studie keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Notwendigkeit der Verordnung von Natriumperchlorat vor Kontrastmittelgaben gäbe, sollte dessen Einsatz im Hinblick auf Nutzen und potenziellen Schaden individuell sorgfältig abgewogen werden.
Quelle: Hertenstein N, Hemmeter U, Paulmann M. et al. (2026): Thyreostatika und schwere Hautreaktionen. Eine Registerauswertung über 20 Jahre. Deutsches Ärzteblatt Int 2026; 123: 80–1. DOI: 10.3238/arztebl.m2025.0216
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