Morbus Basedow

Autoimmunkrankheit Morbus Basedow

Der M. Basedow (M. = Abkürzung für Morbus = Erkrankung) ist eine sognannte Autoimmunthyreopathie. Bei dieser Autoimmunerkrankung bildet der Körper Abwehrstoffe (Antikörper) gegen Teile der Schilddrüse (TSH-Rezeptoren). Diese regen die Schilddrüse zur vermehrten Hormonproduktion und auch zum Wachstum an, wodurch es in der Folge zu einer Schilddrüsenüberfunktion sowie zu einer Struma kommt. Die Erkrankung betrifft die gesamte Schilddrüse und nicht nur bestimmte Areale.

Außerhalb der Schilddrüse kann es zur Entwicklung einer endokrinen Orbitopathie (hormonbedingte Augenhöhlenerkrankung) oder zu einem prätibialem Myxödem (Schwellung und Wassereinlagerung vor dem Schienbein kommen). Die endokrine Orbitopathie tritt bei etwa 60 Prozent der Patienten mit einem M. Basedow auf. Die beim M. Basedow gebildeten TSH-Antikörper können sich auf Gewebezellen in den Augenhöhlen auswirken und dort zu einer Entzündungsreaktion mit Gewebeumbau führen.

Ursachen des M. Basedow

Die konkrete Ursache und der Auslöser für die Entstehung der Autoimmunkrankheit M. Basedow (Basedowsche Erkrankung) lassen sich beim einzelnen Patienten in der Regel nicht ermitteln. Als mögliche Ursachen werden genetische Veränderungen und / oder mit äußerliche Einflüsse durch z.B. psycho-sozialen Stress, Umwelteinflüsse, Rauchen oder Viruserkrankungen) diskutiert.

Symptome des M. Basedow

Die Symptome des M. Basedow können insbesondere zu Beginn der Erkrankung dezent und unspezifisch sein. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung kann es schließlich zu den charakteristischen Symptomen Struma (Schilddrüsenvergrößerung), Tachykardie (beschleunigter Pulsschlag) und Exophtalmus (Glupschaugen) kommen. Diese Symptomkombination wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1840 von dem Arzt Carl von Basedow aus Merseburg beschrieben und wird in der Fachwelt daher auch als Merseburger Trias bezeichnet. Nach dem Erstbeschreiber in Deutschland wird die Erkrankung im deutschsprachigen Raum als Morbus Basedow bezeichnet, im englischsprachigen Raum nach dem Erstbeschreiber Robert James Graves als Grave`s disease.

Symptome der Schilddrüsenüberfunktion

Bei vielen Patienten mit einem M. Basedow stehen die die Symptome der Schilddrüsenüberfunktion im Vordergrund.
Typische Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion beim M. Basedow sind:

  • Herzrhythmusstörungen
  • Hoher Blutdruck
  • Nervosität
  • Innere Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Gewichtsverlust
  • Durchfall
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Zyklusstörungen bei der Frau
  • Haarausfall
  • Stimmungsschwankungen bis hin zur Aggressivität
  • Erschöpfung und Kraftlosigkeit
  • Tremor
  • Wärmeintoleranz
  • Es müssen nicht immer alle Symptome der Überfunktion gleichzeitig oder gleichschwer auftreten. Manchmal steht ein bestimmtes Symptom wie z.B. die Tachykardie (beschleunigter Pulsschlag) im Vordergrund. Je ausgeprägter und länger die Hyperthyreose besteht, umso ausgeprägter sind meist auch die Symptome. In schweren Fällen kann das bis zu einer lebensbedrohlichen Schilddrüsenhormonvergiftung (Thyreotoxische Krise) führen. Dann kann der Patient in ein Koma fallen und bei ungünstigem Verlauf an den Folgen sterben.

    Symptome der endokrinen Orbitopathie

    Bei einigen Patienten mit einem M. Basedow stehen die Symptome der endokrinen Orbitopathie im Vordergrund und sind mitunter das erste Anzeichen für einen M. Basedow.

    Mögliche Symptome der endokrinen Orbitopathie sind:

  • Exophthalmus (Hervortreten der Augäpfel, Glupschaugen)
  • Unvollständiger Lidschluss
  • Fremdkörper oder Druckgefühl
  • Lidveränderungen
  • Augenmuskelbeteiligung, Doppelbilder
  • Einschränkung des Sehvermögens
  • Symptome der Schilddrüsenvergrößerung (Struma)

    Bei manchen Patienten kommt es zusätzlich zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Vergrößerung der Schilddrüse (Struma). Daraus können Symptome wie Kloß-, Enge- oder Druckgefühl resultieren. Eine normale Schilddrüsengröße schließt einen M. Basedow in keinem Fall aus.

    Diagnostik des M. Basedow

    Die Diagnose eines M. Basedow wird durch die charakteristischen Befunde der Blutuntersuchungen, der Ultraschalluntersuchung und der Schilddrüsenszintigrafie gestellt. Zur Beurteilung einer möglichen Mitbeteiligung der Augen (endokrine Orbitopathie) ist eine augenärztliche Kontrolle ratsam.

    Behandlung des M. Basedow

    Eine ursächliche Behandlung des Morbus Basedow gibt es bisher nicht. Zur Behandlung der Schilddrüse stehen Thyreostatika, eine Radiojodtherapie oder eine Schilddrüsenoperation zur Verfügung.

    Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion

    Besteht eine Schilddrüsenüberfunktion wird die Überproduktion der Schilddrüsenhormone zunächst medikamentös behandelt. Der Patient bekommt Medikamente, die die Bildung der Schilddrüsenhormone bremsen, sogenannte Thyreostatika. Diese Medikamente hemmen in der Schilddrüse den Einbau von Jod in die Schilddrüsenhormone und drosseln so die Neuproduktion. Die bereits im Körper befindlichen Hormone werden nicht beeinflusst. Die Senkung des Hormonspiegels erfolgt über den natürlichen Abbau und kann eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Dann gibt es im Prinzip mehrere Möglichkeiten:

    Konservativer medikamentöser Behandlungsversuch
    Beim sogenannten konservativen Behandlungsversuch wird die Schilddrüsenüberfunktion weiter medikamentös mit Thyreostatika behandelt. Es ist nämlich bekannt, dass es bei etwa 40 bis 50 Prozent der Patienten mit einem M. Basedow im Verlauf zu einer spontanen Besserung der Schilddrüsenüberfunktion kommt (spontane Remission), so dass die Patienten dann keine Thyreostatika mehr einnehmen müssen. Umgekehrt kommt es bei etwa 50 bis 60 Prozent der Patienten nach Absetzen der Thyreostatika zu einer erneuten Schilddrüsenüberfunktion (Rezidiv-Immunhyperthyreose), so dass spätestens dann in der Regel eine der nachfolgenden Therapien zum Einsatz kommt.

    Definitive Therapie durch eine Radiojodtherapie oder eine Schilddrüsenoperation
    Eine sogenannte definitive Therapie des M. Basedow ist durch die Zerstörung oder Entfernung des erkrankten Gewebes durch eine Radiojodtherapie oder eine Schilddrüsenoperation möglich. Bei beiden Behandlungen wird heutzutage meist eine vollständige oder fast vollständige Zerstörung bzw. Entfernung der erkrankten Schilddrüse angestrebt. Denn alles nach einer definitiven Therapie verbleibende funktionstüchtige Schilddrüsengewebe könnte im Verlauf zu einem Wiederauftreten der Schilddrüsenüberfunktion führen. Wurde die Schilddrüse durch eine Radiojodtherapie komplett ausgeschaltet oder bei einer Operation komplett entfernt, würde es ohne eine medikamentöse Zufuhr von Schilddrüsenhormonen zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kommen. Daher müssen Patienten nach einer radikalen Radiojodtherapie oder Operation lebenslang Schilddrüsenhormone einnehmen. Diese medikamentöse Therapie ist im Vergleich zur dauerhaften Eiinnahme von Thyreostatika allerdings viel verträglicher und lässt sich in der Regel gut steuern.

    Morbus Basedow

    Behandlung der endokrinen Orbitopathie

    Die Behandlung einer Orbitopathie hängt im Wesentlichen von den konkreten augenärztlichen Befunden ab. In jedem Fall sollte zunächst erst mal die Schilddrüsenüberfunktion korrigiert werden. Je nach Ausprägung der endokrinen Orbitopathie können entzündungshemmende Medikamente (z.B. Cortison) verordnet werden. Bei bestimmten Befunden kommen augenärztliche Operationen und Korrekturmaßnahmen zum Einsatz. Beim Exophthalmus kann alternativ auch eine gezielte Bestrahlung der Augenhöhle erfolgen.

    Das im Einzelfall beste Vorgehen und die Entscheidung für eine frühe oder spätere Radiojodtherapie oder Operation hängen natürlich ganz wesentlich von der konkreten Befundkonstellation und den Wünschen des Patienten ab.

    In Deutschland entscheiden sich viele Ärzte und Patienten zunächst für einen konservativen Behandlungsversuch mit Thyreostatika. Manchmal kommt es relativ rasch zu einer spontanen Besserung, manchmal kann dies allerdings mehrere Monate dauern. Nach mehr als 12 – 18 Monaten medikamentöser Dauertherapie ist die Aussicht auf eine weitere Besserung unwahrscheinlich. Da die Behandlung mit Thyreostatika im Einzelfall nicht frei von schwerwiegenden Nebenwirkungen ist und viele Patienten bei ausbleibender spontaner Besserung im Verlauf dann doch definitiv behandelt werden müssen, wird zum Beispiel von einer Reihe von Schilddrüsenexperten in Nordamerika und Teilen Asiens generell eher eine möglichst frühzeitige definitive Therapie durch eine Radiojodtherapie oder eine Schilddrüsenoperation befürwortet. Bei der Entscheidung für oder gegen einen konservativen Behandlungsversuch sollten auch verschiedene Parameter zur Prognoseabschätzung für eine spontane Remission berücksichtigt werden. So ist eine spontane Besserung z.B. bei Rauchern oder bei sehr großen Schilddrüsen unwahrscheinlicher als bei Nicht-Rauchern und kleinen Schilddrüsen.

    Auch bei der Entscheidung für eine Radiojodtherapie oder eine Operation sind die jeweiligen Vor- und Nachteile der beiden Therapieformen unter Berücksichtigung der konkreten Befundkonstellation individuell abzuwägen und mit dem Patienten zu besprechen. So kann sich z.B. eine endokrine Orbitopathie unter einer Radiojodtherapie zumindest zeitweise verschlechtern, so dass dann vielleicht eher eine operative Therapie in Frage kommt. Umgekehrt würde beispielsweise Patienten mit gewichtigen Risikofaktoren für einen operativen Eingriff nach Möglichkeit eher eine Radiojodtherapie empfohlen werden.


    AUTOR: Prof. Dr. med. Hans Udo Zieren